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Das Jeki Programm

Jedem Kind ein Instrument! Aber welches?

Hinter dem Kürzel JeKi verbirgt sich das Motto Jedem Kind ein Instrument. Die kulturelle Bildungsinitiative ist ein Beitrag zum Programm der Kulturhauptstadt Europas. Der Name ist Programm: Bis zum Jahr 2010 soll jedem Grundschulkind des Ruhrgebiets ermöglicht werden, im Rahmen seiner Grundschulzeit ein Musikinstrument seiner Wahl zu erlernen. Anders als die sogenannten Bläserklassen, die vor allem in den unteren Jahrgangsstufen vieler weiterführenden Schulen eingerichtet werden, zielt das Jeki Programm auf die Grundschule und hier wiederum auf alle 4 Klassen. Entwickelt wurde das Programm von der Kulturstiftung des Bundes, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand e.V. Das Jeki Projekt wurde erstmals im Schuljahr 2005/2006 eingesetzt und beschränkt sich zunächst auf die Städte des Ruhrgebiets. Mittelfristig ist eine Ausweitung auf NRW Städte außerhalb des Ruhrgebiets geplant, wobei das Programm natürlich auch in den anderen Bundesländern aufmerksam verfolgt wird.

Welches Ziel steckt hinter dem Jeki Projekt?

Das erklärte Ziel liegt in einer breiten Musikalisierung der Grundschüler. Erklärtermaßen geht es darum, der Musik das Elitäre zu nehmen und auch Kindern aus den sogenannten bildungsfernen Schichten einen Zugang zur Musik und insbesondere des Instrumentalunterrichts zu ermöglichen. Während sich an traditionellen Musikschulen in der Tendenz eher die Mittelstandskinder aus gutbürgerlichem Hause wiederfinden, möchte man im Rahmen des Jeki Projektes die Musikschullehrer gewissermaßen von der Musikschule an die Grundschule deligieren, um dort auch diejenigen Kinder für Musik zu begeistern, die nicht zu der potentiellen Klientel der herkömmlichen Musikschule gehört. De facto sieht es also so aus, dass ein Musikschullehrer gemeinsam mit der Grundschullehrerin vor die Grundschulklasse tritt und dort allen Kindern zunächst einen allgemeinen, später auch einen speziellen Instrumentalunterricht zukommen lässt. Musikalisierung in der Breite lautet die Devise.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Das Ziel ist ehrgeizig, die Umsetzung läuft seit einigen Jahren im Probebetrieb an Grundschulen des Ruhrgebiets, die Probleme zeigen sich in der Praxis. Einer der Hauptkritikpunkte: Dadurch, dass Musikschullehrer gewissermaßen an die Grundschulen abkommandiert werden, schwächt man zwangsläufig die eigentliche, die traditionelle Arbeit der Musikschulen: Qualitativ hochwertigen Unterricht. Eltern, deren Kinder am Jeki Projekt teilnehmen, verzichten meistens darauf, ihre Kinder noch zusätzlich an einer Musikschule anzumelden. Wenn man sich die Arbeit eines Musikschullehrers ansieht, ergibt sich etwas überspitzt formuliert das folgende Szenario: Anstatt an einem Tag 10 Kindern gezielten Einzelunterricht an einem Musikinstrument zukommen zu lassen, unterweist derselbe Musiklehrer nun im gleichen Zeitraum 100 Kinder doch recht allgemein und in einer großen Gruppe an einem oder mehreren Instrumenten. Aufgrund des unterschiedlichen Hintergrunds der einzelnen Kinder innerhalb einer nach dem Zufallsprinzip zusammengewürfelten Klassengemeinschaft, liegt der kleinste gemeinsame Nenner doch meist sehr tief. Oft werden als positive Effekte Stichworte wie “soziale Kompetenz” oder “Zusammengehörigkeitsgefühl” genannt. Die tatsächliche musikalische Qualität der Ausbildung an den Instrumenten wird in den allermeisten Fällen doch sehr deutlich hinter entsprechenden Ergebnissen an traditionellen Musikschulen zurückstehen. Weitere Probleme liegen darin, dass entgegen der ursprünglichen Vorgaben inzwischen viele Honorarkräfte an die Schulen entsandt werden.

Fazit

Jedem Kind ein Instrument ist ein ambitioniertes Projekt, das von Seiten der Lokal-, Landes- und Bundespolitik viele Sympathien erfährt und auf vielfältige Weise unterstützt wird. Ob das Projekt auch über den zugesagten Zeitraum 2011 hinaus finanziert wird – und wenn ja, von wem – wird sich erst noch zeigen müssen. Ich denke, man sollte sich dem Thema etwas gelassener nähern. Wenn ein Kind die Möglichkeit hat, über das Jeki Programm Musikinstrumente zu erleben, dann ist das zunächst einmal eine gute Sache. Wenn es dann auch noch ein Kind ist, das ohne das Jeki Projekt eben nicht mit einem Musikinstrument in Berührung gekommen wäre – umso besser. Wenn man auf diese Weise feststellt, dass Interesse besteht, dann liegt es in der Eigenverantwortung der Eltern, die eigenen Kinder über das Jeki Projekt hinaus an einem Musikinstrument ausbilden zu lassen. Entscheidend ist doch, dass die Kinder Gelegenheit bekommen, auszuprobieren, was ihnen gefällt und was nicht. Für Eltern und Kinder, die keine Möglichkeit haben, am Jeki-Programm teilzunehmen und die ferner auch keine Möglichkeit haben, einen Tag der offenen Tür oder ähnliches bei einer örtlichen Musikschule zu erleben, wurde dieses Musikinstrumentenportal ins Leben gerufen. Der erste Schritt zum Musikinstrument sollte mit ganz besonderer Sorgfalt gegangen werden: Nämlich die Auswahl des richtigen Musikinstruments für das jeweilige Kind. Hierzu wiederum ist es wichtig, herauszufinden, welche Art von Musik dem Kind überhaupt gefällt. Klassik? Rock? Folklore? Zu diesem Themenkomplex gibt es einen ausführlichen Artikel: Welches Musikinstrument für mein Kind?

Hier gibt es weitere offizielle Informationen zum Jeki Programm.

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