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Das Glockenspiel

glockenspielDas Glockenspiel zählt genau wie das Xylophon zu den Percussion-Instrumenten. Es ist zugleich der wichtigste Vertreter der sogenannten Orffschen Instrumente und wird oft zur musikalischen Früherziehung von Kindern eingesetzt. Carl Orff (weltberühmt: seine Komposition Carmina Burana) war nicht nur ein bedeutender Komponist des 20. Jahrhunderts, sondern widmete sich bereits in den 30er Jahren der musikpädagogischen Arbeit mit Kindern. Hierfür setzte er Instrumente ein, die relativ leicht und intuitiv zu spielen sind, wie etwa das Glockenspiel. In der einfachen Tonerzeugung liegt auch die wichtigste Parallele zu dem anderen traditionellen Einstiegs-Musikinstrument für Kinder, der Blockflöte. Für die Tonerzeugung beim Glockenspiel werden Metallplättchen unterschiedlicher Länge (und daher unterschiedlicher Tonhöhe) mit mindestens einem (üblicherweise natürlich 2) Holz- oder Kunststoffschlegeln angeschlagen. Laien verwechseln das Glockenspiel gerne mit einem Xylophon. Dieses ist im Vergleich zum Glockenspiel meist größer, klingt tiefer und hat Klangstäbe aus Holz (Xylo=griechisch für Holz). Hier ist die Nähe zu den anderen Percussion-Instrumenten noch deutlicher als beim Glockenspiel. Doch zunächst einmal unser Klangbeispiel zum Glockenspiel:

(Klangbeispiel: Glockenspiel)

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Intuition

Eine weitere Parallele zwischen Glockenspiel und Blockflöte: Während es mit beiden Instrumenten buchstäblich kinderleicht ist, Töne zu erzeugen und die ersten einfachen Lieder zu spielen, kann man ebenso wie bei allen anderen Musikinstrumenten nur durch viel Übung und Einsatz zu echter Virtuosität gelangen. Wie oben bereits angeführt, kann bereits ein Kleinkind je nach Entwicklungsstand und Musikalität etwa ab 3 – 5 Jahren ein Glockenspiel intuitiv bedienen. Ein musikalisches Kind wird sich (meist auch schon ohne Anleitung durch Erwachsene) am selbst ausgelösten Klang erfreuen. Auf diese Weise entsteht Motivation, sich weiter mit dem Instrument zu beschäftigen. Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde dieses spielerische Entdecken der Musik mit Hilfe des Glockenspiels leider zurückgedrängt bzw. ersetzt durch kleine elektronische Piepskisten jedweder Art. Billigste Musikelektronik kombiniert mit billigstem Plastik und einigen LEDs löst bei Tastendruck nervige Quäksounds aus oder auch gleich ganze “Lieder”, die piepsender – und quäkenderweise durch das Kinderzimmer schallen. Hierbei kann ein Kind nichts lernen! Möchten Sie Ihr kleines Kind an die Musik heranführen? Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, doch in den allermeisten Fällen werden Sie Ihrem Kind und Ihnen mit einem Glockenspiel einen besseren Einstieg in die Welt der Klänge schenken als mit einem billigen Kinder-Keyboard!

Glockenspiel für Kleinkinder

Es gibt bereits Glockenspiele für Babies. Hier geht es natürlich nicht darum, Melodien zu spielen, sondern lediglich (immerhin!) um die Freude am selbst erzeugten Klang. Bei Instrumenten für derart kleine Kinder ist es natürlich unbedingt erforderlich, jede potentielle Verletzungsgefahr auszuschließen. Anders als bei regulären Glockenspielen sollten die scharfkantigen Metall-Klangplatten daher in einem gekapselten Rahmen eingeschlossen sein, damit sie nicht vom Baby / Kleinkind entnommen werden können. Beispielhaft weise ich hier einmal auf das Kinder-Glockenspiel aus dem Hause Voggenreiter hin, das für Kleinkinder ab 12 Monaten empfohlen wird (im Video unten zu sehen). Einen ausführlichen Videobericht zu diesem Kinder-Glockenspiel und weiteren Kinder-Percussioninstrumenten gibt es hier: Kinder-Glockenspiel und Kinder-Percussion.

In diesem Video stellen meine Töchter mal auf unorthodoxe Weise einige verschiedene Kinder-Glockenspiele aus dem Hause Voggenreiter vor:

Warum es gut klingt

Den hohen und kristallklaren Klang des Glockenspiels empfinden Kinder üblicherweise als sehr angenehm (vergleichen Sie das Klangbeispiel zum Glockenspiel oben doch mal mit typschen Billig-Keyboardsounds). Da ein Kinder-Glockenspiel lediglich die Töne der C-Dur Tonleiter enthält (die auf der Klaviertastatur den weißen Tasten entsprechen), klingt auch noch eine “zufällige” Aneinanderreihung der Töne (also Anarchie statt Melodie) dennoch angenehm (zumindest für Kinderohren). Es gibt auch keine “schrägen” Töne – denn entweder man trifft eine Klangplatte oder nicht. Bei einer Violine etwa dauert es selbst bei musikalischen Kindern vergleichsweise lange, bevor die Töne auch wirklich getroffen werden und ein Kind beispielsweise ein “reines” C greift und nicht “fast” ein C.
Mit einem Glockenspiel “im Werkszustand” ist also nur eine einzige Tonart wirklich spielbar, nämlich C-Dur. Diese Einschränkung hinsichtlich der verschiedenen Tonarten ist jedoch für den Einstieg durchaus positiv zu bewerten. Üblicherweise liegen einem Glockenspiel auch noch einige “Austausch-Plättchen” bei, nämlich das “Fis” und das “B”. Wiederum bezogen auf eine Klaviertastatur kommen nun also 2 schwarze Tasten dazu: Das Fis und das B (gleichzeitig verschwindet leider das F und das H…). Wenn man nun beim Glockenspiel die beiden “F-Plättchen” gegen die beiden “Fis-Plättchen” austauscht, entsteht auf diese Weise eine G-Dur Tonleiter (in Notenform notiert, stünde nun ein “Kreuz” hinter dem Violinschlüssel), tauscht man das “H-Plättchen” gegen das “B-Plättchen” aus, entsteht die F-Dur Tonleiter (mit einem b hinter dem Violinschlüssel). Um ständiges Plättchenwechseln zu vermeiden, benutzen fortgeschrittene Spieler ein 2. Holzgestell, das lediglich die fehlenden Halbtöne enthält (also Cis, Dis, Fis Gis und B, entsprechend den schwarzen Tasten des Klaviers) und hinter dem ersten Gestell steht. Mit diesem 2. Gestell wird das Glockenspiel (oder auch das Xylophon) zu einem “vollwertigen” chromatischen Musikinstrument.

Was kostet ein Glockenspiel?

Nicht viel – glücklicherweise – ein gut klingendes Glockenspiel gibt es bereits für weniger als 20 Euro. Aber gleich vorab ein dringender Appell: Wenn Ihr Kind das Glockenspiel als Musikinstrument kennenlernen soll und nicht als Spielzeug, dann kaufen Sie bitte auch ein Musikinstrument und kein Spielzeug. Oder anders ausgedrückt: Musikinstrumente kauft man in einem Musikgeschäft und nicht in einem Spielzeugladen. Während der Online-Kauf anderer Musikinstrumente durchaus überlegt sein will, kann man ein Qualitäts-Glockenspiel auch ruhigen Gewissens online kaufen. Unser Einkaufsführer Glockenspiel hilft bei der Auswahl und zeigt empfehlenswerte Modelle zum Einstieg.

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