Category Archives: Ratgeber

Das Akkordeon

akkordeonMeinen Artikel über die Keyboards habe ich mit der Feststellung eingeleitet, dass kaum ein Begriff aus der Welt der Musikinstrumente derart missverständlich ist wie der des Keyboards. Hierbei sagt der Begriff “kaum” natürlich aus, dass es auch noch andere missverständliche Bezeichnungen für Musikinstrumente geben muss. Und in der Tat, hier haben wir einen neuen Kandidaten: Das Akkordeon. Rein begrifflich betrachtet, könnte man das Akkordeon auch zu den Keyboards zählen, denn schließlich benutzt der Spieler ähnliche Tasten wie bei anderen Keyboards, um Melodien zu spielen. Doch das Leben ist schon kompliziert genug und allein aufgrund der reichen Historie hat das Akkordeon eine eigenständige Rubrik verdient.

(Hörbeispiele zum Akkordeon)

Jetzt alle Musikinstrument-Hörbeispiele als MP3 laden (HQ)

Was ist denn am Akkordeon so missverständlich?

Es gibt unzählige Bauarten, die je nach Region verschieden (teilweise sogar gegensätzlich!) benannt werden. Während beispielsweise in einigen Regionen die Begriffe Akkordeon und (Hand) Harmonika als Synonyme verwendet werden, benutzt man sie anderenorts zur Abgrenzung zwischen verschiedenen technischen Ausprägungen. Hinzu kommen zahlreiche umgangssprachliche Bezeichnungen (wie z.B. das Schifferklavier”), mit denen verschiedene Menschen verschiedene Instrumente verbinden.

Und nun?

Thema dieses Portals ist “Musikinstrumente für Kinder” und ich werde mich daher darauf beschränken, die grundsätzliche Funktionsweise zu beschreiben, wobei ich den Begriff Akkordeon als Oberbegriff benutze und lediglich 2 Unterkategorien unterscheide, nämlich das sogenannte Pianoakkordeon und Knopfakkordeon.

Wie funktioniert das Akkordeon?

Mit Luft. Wieso Luft? Es pustet doch wohl niemand in ein Akkordeon hinein? Natürlich nicht. Wobei das gar nicht einmal so abwegig ist. Nimmt man (stark vereinfacht betrachtet) nur die rechte Seite des Akkordeons (vom Spieler aus betrachtet, also die sogenannte Diskantseite), passt die Mechanik entsprechend an und steckt sie in ein Plastikgehäuse, so hat man eine Melodika, also ein Blasinstrument mit einer klavierähnlichen Tastatur. Die Funktionsweise des Akkordeons ähnelt jedoch eher der Tonerzeugung traditioneller Kirchenorgeln (Pfeifenorgeln), deren Pfeifen ja auch durch einen Luftstrom zum Klingen gebracht wurden und werden. Dieser Luftstrom wird erzeugt durch einen Blasebalg. Vor Erfindung der Elektrizität musste dieser Blasebalg im Falle der Kirchenorgel während des Orgelspiels von einem oder mehreren Helfern fortwährend betätigt werden. Je nach Größe der Orgel, der Art und Anzahl der gezogenen Register braucht eine Pfeifenorgel jede Menge Luft! Insofern kann man sich das Akkordeon hilfweise als Miniatur-Orgel vorstellen. Anstelle der Pfeifen verfügt ein Akkordeon über sogenannte Stimmplatten. Das Instrument ist derart handlich, dass der Spieler den “Blasebalg” selbst betätigen kann. Dieser befindet sich nun zwischen den Armen des Spielers. Auf der linken Seite (wieder vom Spieler aus betrachtet) befinden sich die Bässe, rechts die sogenannte Diskantseite. Hier wird die Melodie gespielt. Ein ähnliches Prinzip der Tonerzeugung findet man auch beim Dudelsack. Hier wird der Blasebalg allerdings in der Tat durch stetes Hineinblasen des Spielers mit Luft gefüllt, die er dann mit dem Arm aus dem “Sack” in die Pfeifen presst. Der Luftstrom beim Akkordeon wird hingegen von den ständig auseinander- und zusammengehenden Armen des Spielers erzeugt. Daher auch die umgangssprachlichen Bezeichnungen Ziehharmonika oder (noch schlimmer…) Quetschkommode. Je nach Größe des Akkordeons, der Anzahl der Tasten und Register wird hierfür mehr oder weniger Muskelkraft benötigt. Für ein Kind kommt daher zum Einstieg in der Regel zunächst einmal nur ein kleineres Akkordeon in Frage. Mit einem entsprechend kleinen Instrument kann ein Kind durchaus schon im Vorschulalter beginnen.

Pianoakkordeon und Knopfakkordeon

Diese beiden grundsätzlichen Ausprägungen des Akkordeons unterscheiden sich im wesentlichen durch die Diskantseite, also die rechte Seite des Instruments. Hier gibt es grundsätzlich 2 Arten von Tasten: Die vom Klavier bekannte Tastatur mit schwarzen und weissen Tasten (daher Pianoakkordeon) und im Gegensatz dazu die runden Knöpfe (Knopfakkordeon). Der Vorteil des Pianoakkordeons liegt in der einfacheren Orientierung, da man es mit der vom Klavier bekannten Tastatur zu tun hat.

Das Knopfakkordeon
Das Knopfakkordeon

Der Vorteil des Knopfakkordeons liegt in der ergonomisch günstigen Anordnung der runden Knöpfe. Hier befinden sich die Tasten und damit die Töne sehr viel näher beieinander, so dass sich das Knopfakkordeon prinzipiell virtuoser bedienen lässt als das etwas “schwerfälligere” Pianoakkordeon. Ausnahmen bestätigen die Regel! Zur Frage, welchem Instrument für ein Kind der Vorzug zu geben sei, zitiere ich an dieser Stelle Martin Rzeszut, Akkordeonlehrer, Musiker, Künstler, Autor, Gründer und Betreiber der Musikwerkstatt Rzeszut:

Noch ein wichtiger Hinweis aus meiner Unterrichtspraxis: Kindern, die noch das Notenlesen lernen sollten, empfehle ich für den Anfang immer ein kleines Pianoakkordeon. Es ist für jeden Menschen vorteilhaft, dieses System einmal kennenzulernen. Die Pianotastatur gehört schliesslich zu unserem traditionellen Kulturinventar und stützt den Umgang mit traditionell notierter Musik. Die Vertrautheit mit ihr ist besonders für Jugendliche mit fest ausgeprägten Vorstellungen von „ihrer“ Musik vorteilhaft. Man muss ja im Anfangsunterricht auch überhaupt nicht auf Daumenakrobatik oder Fingerverknotungen setzen und begnügt sich als Lehrer mit den einfach zu greifenden Tonarten C-Dur und A-Moll, denn für genau jene Tonarten ist die weisse Tastatur mit ihren schwarzen Hilfstasten historisch gesehen ja optimiert! Die Entscheidung des musizierenden Kindes, später auf das Knopfakkordeon umzusteigen oder auch beim Pianoakkordeon zu bleiben, ist bei solchem Vorgehen fundierter.

Soweit also das Zitat aus dem Magazin Tönchen

Warum ein Akkordeon?

Noch immer gibt es viele Kinder, die Akkordeon spielen lernen und das Instrument ist vielseitiger als man gemeinhin denkt. Viele verbinden mit dem Akkordeon volkstümliche Musik. In der Tat ist das Akkordeon allein aufgrund seiner langen Tradition ein volkstümliches Instrument. Man findet es aber in derart vielen Kulturen der Welt, dass man auf einen ungeheuer reichen Schatz an Musikliteratur zurückgreifen kann. Keineswegs ist man mit einem Akkordeon ausschließlich auf volkstümliche Weisen bajuwarischer Herkunft beschränkt. Womit ich ausdrücklich nichts gegen Volksweisen bajuwarischer Herkunft sagen möchte. Mir ist es lediglich wichtig, darauf hinzuweisen, dass die für das Akkordeon komponierte Musik vielschichtiger und sehr viel facettenreicher ist als oft angenommen. Mit dem Akkordeon sind völlig verschiedene Musikstile verbunden. Machen Sie doch einmal folgendes Experiment: Denken Sie an das Akkordeon in Verbindung mit den folgenden Städten und Regionen der Erde und Sie werden grundverschiedene Assoziationen haben: Wien, Paris, Bayern, Tirol, Argentinien, Balkan, Russland… Ein Akkordeon ist also in gar keiner Weise so einseitig wie es oft wahrgenommen wird. Hinzu kommt ein weiterer großer Vorteil des Akkordeons: Es ist ein Harmonie-Instrument, d.h. man kann mit dem Akkordeon wie ja der Name bereits nahelegt Akkorde spielen. Was bedeutet das? Man kann mehrere Töne zur gleichen Zeit spielen. Dieses ist ansonsten den Keyboards (als Oberbegriff für alle akustischen und elektronischen Tasteninstrumente) und Gitarren vorbehalten.

Wie teuer ist ein Akkordeon?

Nicht ganz billig… eine völlig sinnlose Antwort. Also deutlicher: Aufgrund der großen Anzahl mechanischer Bauteile ist das Akkordeon recht aufwändig in der Herstellung. Obwohl selbst Traditionshersteller wie die Firma Hohner aus Trossingen seit langer Zeit viele Komponenten in China fertigen lassen, ist ein neues Akkordeon kaum zum Fernost-Schnäppchenpreis zu haben. Es geht üblicherweise los bei etwa 400 Euro, ab etwa 700 Euro gibt es bereits eine größere Auswahl.

Einige Akkordeons zum Einstieg für Kinder haben wir hier zusammengestellt: Akkordeon Modelle Große Akkordeons renommierter Hersteller kosten oft mehrere Tausend Euro. Viele dieser professionellen Instrumente liegen bereits im Preisbereich zwischen 5.000 und 8.000 Euro. Abschließend der Hinweis, dass Sie keinesfalls ein Akkordeon anschaffen sollten, ohne vorher den zukünftigen Lehrer oder das anvisierte Akkordeonorchester o.ä. kontaktiert zu haben. Hierzu gibt es einfach zu viele verschiedene Bauarten, die wiederum völlig verschiedene Spielweisen verlangen.

Jetzt herunterladen!

Musikinstrumente für Kinder

Die komplette Audio CD “Musikinstrumente für Kinder” und das gleichnamige eBook

War dieser Artikel für Sie hilfreich?

Bitte bewerten Sie hier die Qualität der Informationen auf dieser Seite, vielen Dank!

Das Akkordeon: 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
4.32 von 5 Punkten, basierend auf 22 abgegebenen Bewertungen.
Loading ... Loading ...